#1 Unendlich fern – trotzdem nah

Sie sind so ganz anders, die trotzdemnah-Plakate, die uns durch diese besondere Adventzeit im Corona-Jahr 2020 begleiten. Illustriert und lebensnah, das ist klar. Außerdem verbirgt sich das ein oder andere Detail dahinter. Unser Redakteur David Pernkopf wagt eine Annäherung und Interpretation.

Das Fenster

Unser Sujet spielt bewusst mit der Perspektive des Fensters, in einer Zeit, da uns durch den Lockdown das Fenster neben Smartphone und Fernseher zum Blick auf die Welt wird. Wir sind als Betrachter selbst in das Bild hineingenommen. Wir stehen gleichsam selbst am Fenster, daher sind keine Figuren in der Szene. Ein banger Blick ist es, gepaart mit der Unsicherheit, wie heuer Advent und Weihnachten werden. Der Blick hinaus in die Nacht ist Sehnsucht und Erwartung: Was wird kommen? So kann es nicht bleiben – ist die Stimmung. Und dennoch tritt Zuversicht ein. Diese Gedanken nehmen die Worte des Propheten Jesaja auf: „Überall Finsternis und Dunkel. Doch die Finsternis wird verscheucht; denn wer jetzt in Not ist, bleibt nicht im Dunkel.“ Eine leise, zarte Hoffnung durchzieht das Sujet. Eine Atmosphäre des wachsenden Lichts ist durch Stern und Sternenstaub verheißen.

Aber das Zimmer mit Fenster ist nicht nur ein Bildmotiv, sondern stellt auch einen Schwellenort, ein Durchzugsort, einen Warteraum dar. Am Fenster manifestiert sich das Warten des Menschen. „Der Advent hat heuer schon im März begonnen. Der Advent im Sinne des Wartens auf gute Nachrichten. Der Advent im Sinne der Hoffnung, dass die entscheidende Wendung zum Guten bald eintreten möge. Dass die Pandemie aufhört. Dass die Impfung kommt. Dass alles wieder normal wird. Alles das wird begleitet von der Frage, ob wir bis dahin durchhalten werden; wirtschaftlich, gesundheitlich, persönlich“, sagt der Salzburg Theologe Wolfgang Müller in einem Beitrag zum Advent. Er trifft einen Nerv: Das Warten an sich ist schon eine Bestandsprüfung für uns moderne Menschen. Und dann noch Warten in Zeiten der Bedrängnis und der Bedrohung? Wer bereit ist zu warten, wird wieder offen für all das, was ringsum passiert: verletzlich, aber aufmerksam und feinfühlig.

Auch für das Volk Israel im Alten Testament war das Warten eine wesentliche Erfahrung. Es scheint über lange Stellen gerade seine Grundbestimmung zu sein. Das Warten auf Gott ist die einzige Wirkmacht, die bleibt. „Harre auf Gott“ ist ein Grundmotiv der Psalmen und somit eine Lebensader des biblischen Beters.

Worauf warten wir? Wir warten darauf, dass alles wieder so ist wie vorher, und das ist berechtigt und verständlich. Aber ist es auch heilsam? Wollen wir wirklich wieder zurück zum Alten?

Der Stern

Der Stern ist der ikonische und inhaltliche Begleiter unserer Kampagne. Mehr als ein Maskottchen und Logo ist er Leitprinzip und Kompass. Deshalb ist er in jedem Sujet vorhanden. Auch hier ist er im Fenster auf den Weiten des Nachthimmels zu sehen. Er ruft den Stern von Bethlehem, aber auch den Stern des alttestamentarischen Sehers Bileam in Erinnerung. Sein Schein erhellt das Zimmer. Sein Sternenstaub kommt ganz nah in die jeweilige Situation.

Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblick ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf.Die Bibel (Numeri 24, 17)

Unendlich fern?

Unendlich fern erscheinen die Tage von einst, die alte Normalität. Unendlich fern ein gutes Wort. Unendlich fern die Rettung vor Krise, Virus und innerem Chaos. Unendlich fern die Tage von freiem selbstbestimmten Leben. Unendlich fern scheint auch der Stern als kosmisches Gestirn. Bei langen Spaziergängen in Winternächten funkeln diese Nachtbegleiter doch irgendwie vertrauensvoll nah. Auch der Stern von Betlehem verheißt diese Nähe in einer bedrängenden Gegenwart. Er ist aber mehr als ein Symbol und ein Zeichen. Der Stern von Bethlehem ist Hoffnung, Verheißung und Leitprinzip. Das will sagen: Folge den Sternspuren – auch wenn diese Hoffnung nur wenige bemerken. Der Stern wird dich finden.  
Im Glauben sagen wir: Wir durften diesen Stern finden. Aber das ist nicht unser Verdienst. Es ist reine Gnade. Und wir müssen ihn immer wieder suchen, nach ihm Ausschau halten und uns dann immer neu aufmachen, um ihm zu folgen. Da braucht es die selbstkritische Frage nach der eigenen Orientierung und der eigenen Sehnsucht: Wo richte ich mich aus? Wonach halte ich Ausschau? Was ersehne ich?
Der brasilianische Bischof und Konzilsvater Hélder Câmara hat einmal den Satz geprägt: „Binde deinen Karren an einen Stern!“ Das heißt: Verankere dein Leben an dem, das größer als dieses Leben selbst ist. Auch wenn vieles noch fern und unwirklich erscheint: Erlösung ist real, Hoffnung ist immer nah.

Maske

Das Symbol der Krise. Sie versinnbildlicht unsere Angst. Sie drückt aber auch den Missmut und den Widerwillen aus, sie zu verwenden. Letztlich zeigt sie, wie verletzlich und verletzbar wir ohne sie und hinter ihr sind. Gleichzeitig ist die Maske ein Zeichen der Solidarität und der Gleichheit (jede und jeder muss sie tragen, egal ob reich, arm, mächtig oder nicht, krank oder gesund). Mit der Maske bin ich  auf Augenhöhe mit dem anderen. Ich nehme mit ihm über sie distanzierten, aber schützenden Kontakt auf.

Landschaft

Die Umwelt ist als Mitschöpfung auch von der jetzigen Situation betroffen. Sie ist in Dunkelheit gehüllt. Dahinter die Bedeutung: Die ganze Schöpfung, die ganze Welt leidet, aber wartet auch auf Erlösung. Diese Erlösung wartet zart und unscheinbar im Kleinen. Auch die Landschaft im blauen Dunkel harrt der Verheißung, wie es beim Propheten Jesaja im Alten Testament heißt: „Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.“

 
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