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Der soziale Verzicht, den wir in diesen Tagen leisten, schafft kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander.Dr. Gerhard Viehhauser, Bischofsvikar für Ehe und Familie

Gerhard Viehhauser Liebe Familien!

Noch vor drei Wochen war für die allermeisten von uns undenkbar, was wir in diesen Tagen erleben. Wir wurden alle mit einer ganz neuen Situation sowohl gesellschaftlich als auch familiär konfrontiert. Es hat ein neues Denken begonnen und ich bin überzeugt, dass dieses neue Denken nachhaltige Wirkung haben wird. Die sozialen Verzichte, die uns aufgebürdet wurden, sind eine Chance für die Lebensbereiche, die wirklich relevant sind in unserem Leben. Ich möchte drei relevante Lebensbereiche nennen.

1. Das soziale Miteinander

2. Das familiäre Zusammenleben

3. Die gläubige Lebensgestaltung

Ich beobachte, der soziale Verzicht, den wir in diesen Tagen leisten, schafft kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Menschen helfen dort, wo es eine Not der Versorgung gibt, wo Nachbarschaftshilfe gebraucht wird, wo die Grundversorgung aufrecht erhalten bleiben muss.

Ich habe Menschen gesehen, die sich freundlich einander zugrüßen und dabei den guten Abstand bewahren. Der Produktionsstress, in den wir in vielen Bereichen geraten sind, wird verlangsamt. Wachstum steht jetzt nicht an erster Stelle. Die Distanz von der materiellen Produktivitätssteigerung schafft auf anderen Ebenen eine Nähe, eine Nähe der Menschlichkeit.

Es werden Freunde kontaktiert und dabei spielt die drängende Eile keine Rolle mehr. Vielleicht wird uns neu bewusst, dass wir nicht leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben. Unsere Berufung ist zu aller erst das Leben selbst. Die Gemeinschaft der Menschen hat ein soziales Ziel: Die gesunde Lebensqualität zu erhalten.

Von der Eventkultur werden wir in diesen Tagen orientiert hin zur einer Familienkultur. Ich beobachte wenige Leute auf den Straßen, die herumeilen von einem Event zum anderen, von einer Einkaufsstraße zur anderen, von einem Lokal zum anderen. Dafür sehe ich am Abend die Lichter in den Wohnungen der Häuser scheinen. Wenn auch das Zusammenleben auf engem Raum oft herausfordernd ist, so birgt es doch viele neue Möglichkeiten. Ich denke an die Möglichkeit, gemeinsame Familienspiele zu spielen, mit Kindern einen erbaulichen Kinderfilm anzuschauen, des gemeinsamen Lesens von Geschichten, das Familienleben bewusst zu pflegen. Wo es Krisen gibt, ist es gut, die Angebote der Hilfestellungen zu kontaktieren. Eine Adresse für Hilfesuchende und für Anleitungen zu einem guten familiärem Zusammenleben bietet unter anderem diese Plattform #trotzdemnah.

Die Grundfragen unseres Lebens werden in Krisenzeiten wachgerüttelt: Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Für diese Fragen sucht der religiöse Mensch Antworten aus seinem Glauben und er findet sie dort. Bei den Erschütterungen der Stabilitäten und Sicherheiten, in denen wir es gewohnt waren, uns zu bewegen, wird eine innere Stabilität sehr wichtig. Sie gibt uns einen Halt in unserer Identität und Existenz. Für uns Christen ist Jesus Christus die Lebensorientierung. Wir sind überzeugt, Er hat uns alle verbunden zu einer Familie, die wir Kirche nennen. Jesus Christus ist unser Heiland und Erlöser, er will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10,10). Dieses Leben in Fülle ist uns zugesagt auch in Sorgen und Nöten. In Christus finden wir den Frieden, wenn wir suchen. In seiner Gegenwart können wir unser Herz beruhigen (1Joh 3,19).

Ich ermutige Sie, in Ihren Familien religiöse Rituale zu pflegen, etwa mit einem kurzen Tischgebet, mit dem Kreuzzeichen, mit einer Kerze an einer guten Stelle in der Familie oder mit dem Lesen aus der Bibel. In Christus finden wir Frieden und Leben. Er verlässt uns nicht! Wenn in Familien religiöse Zeichen gesetzt werden, gebetet wird und Gott zur Sprache kommt, ereignet sich Hauskirche. Der Apostel Paulus ermutigt uns: „Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott“ (Phil 4,6). Das bedeutet schlicht das Gebet, das uns mit Gott verbindet.

Ich habe in meiner Familie erfahren, wie gebetet wird. Ich habe als Kind dort beten gelernt. Es ist für mich bis heute ein Anker der Stabilität in meinem Leben. Immer wieder erfahre ich dabei Frieden und Freude auch dann, wenn es rundum nicht rosig aussieht. Gott ist der Herr unseres persönlichen Lebens und des gesellschaftlichen Miteinanders. Wir sind seine Kinder, Kinder Gottes. Es ist notwendig, dass wir das nie vergessen und aus dieser Gewissheit unser Zusammenleben gestalten. Diese Zeit des Verzichtes und der Neuorientierung hat einen tiefen Sinn, den nur Gott kennt. Darauf vertraue ich ganz fest.

Ich wünsch Ihnen, Ihren Familien, uns allen den Frieden, den Segen Gottes und Gesundheit an Leib und Seele.

 

Dr. Gerhard Viehhauser
Bischofsvikar für Ehe und Familie

 

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